Helsinki - Bernau

Für alle die schon traurig sind, dass der Blog nun zu ende ist, gibt es noch mal einen Nachschlag. Wir haben noch 6 Fahrtage von denen wir berichten wollen, 5 davon findet ihr hier in diesem Beitrag. Viel Spaß!

02. - 04.09.2009

Helsinki (Hansaterminal) - Travemünde - Lübeck - Hamburg - Bremen

So ein Tag auf der Fähre ist nicht sehr abwechslungsreich, so dass sich nicht viel berichten läßt. Wir haben einfach die Zeit und die Möglichkeiten genutzt und waren im Fitnessraum um unsere Muskeln weiterhin geschmeidig zu halten, haben uns in der Sauna gerekelt und wie ihr ja bemerkt habt - den Blog vervollständigt. Um 20 Uhr sind wir nach 26 h in Travemünde eingelaufen.
Alles hat super geklappt und wir sind mit unseren Rädern über den Damm zum Bahnhof Skandinavienkai gefahren. Von dort sind wir mit einem Triebwagen, der auf die Fahrradmitnahme überhaupt nicht eingestellt ist, nach Lübeck und von dort weiter nach Bremen gefahren. 0 Uhr 29 waren wir in Bremen. 2 Tage haben wir Bremen unsicher gemacht, uns die  Uni und die Ausstellung Expedition Zukunft auf dem Bremer Hauptbahnhof angesehen. Von der Fähre oder aus Finnland habe ich mir ein Andenken mitgebracht. Mein ganzer Körper war voller Pickel und ich hatte starke Gliederschmerzen. Die Ärztin meinte es sein Sindbisfieber, welches mir eine Mücke in Finnland übertragen haben soll. Wir warten die Laborbefunde ab und machen erstmal nichts.

05.09.2009

Bremen - Oyten - Offersberg - Rothenburg - Scheeßel - Lauenbrück

Entfernung: 70 km – Zeit: 4 Stunden 48 Minuten

8 Uhr 45 saßen wir wieder auf unseren Rädern und haben unser neues Ziel Lüskow bei Anklam in Angriff genommen. Das Wetter war leider nicht so einladend, so dass wir immer wieder Regenschauer über uns ergehen lassen mußten. Weit sind wir aber nicht gekommen, da hatte Fred einen Platten. Glücklicher Weise war es diesmal das Vorderrad und so war der Schaden schnell behoben. 10 Uhr 45 ging es weiter. Bremen ist gut ausgebaut mit Fahrradwegen, was die Fahrt durch die Stadt sehr erleichtert hat. In Offenburg haben wir vor einer Sparkasse Mittag gegessen. In Rothenburg brauchte ich die nächste Pause. Das kühle Wetter und meine Gliederschmerzen verlangten ihren Tribut. Wir haben eine Kaffeepause eingelegt. Danach geht es wieder besser und wir fahren weiter. Nun hat auch Freds Hinterrad ein Problem. Die Luft wird sichtlich dünner und er pummt alle paar Kilometer. An einem Feldrand kurz vor Lauenbrück stellen wir unser Zelt auf. Das Fahrrad wird repariert und Abendessen gekocht. Heute gab es Kohlrabi mit Tomaten und Couscous. Dann fängt es wieder an zu regnen und wir ziehen uns ins Zelt zurück.

06.09.2009

Lauenbrück - Fintel - Wesseloh - Wintermoor - Ehrhorn - Underloh - Egestorf - Salzhausen - Vögelsen - Adendorf - Bretlingen

Entfernung: 85 km – Zeit: 5 Stunden 41 Minuten

Habe nicht so gut geschlafen. Die Gliederschmerzen waren die Nacht erheblich und die Pickel sind auch alle noch da. Um 9 Uhr sind wir trotzdem los. Unterwegs finden wir einen Apfelbaum am Weg mit roten Boskop. Natürlich essen wir welche und packen auch reichlich ein. Die Natur beschenkt uns reich. Wir essen noch Pflaumen und Birnen direkt vom Baum und freuen uns über die Fülle. Direkt am Walderlebnispark in der Lüneburger Heide essen wir unser Mittagsbrot und schauen uns noch ein wenig im Walderlebniszentrum um.
Wir fahren kleinere Wege und Straßen und passieren somit auch Kopfsteinpflaster und Sandwege. Hier wurden wir dann auch pfündig und konnten die Lüneburger Heide bewundern. Eine Fläche nur mit schön blühendem Heidekraut bewachsen hat uns total begeistert und mußte natürlich festgehalten werden.
Vorbei an Feldern, Obstbäumen, großen Bauernhöfen, zahlreichen Bächen und Seen ging die Fahrt. Wir genießen die Erntezeit und stoppeln noch ein paar Kartoffeln und auch Möhren können wir finden. Zum Abendessen kochen wir Kartoffeln und dazu gibt es eine Pilz-Zucchini-Pfanne mit Putenfleisch. Wir zelten wieder an einem Feldrand und bleiben total ungestört.

07.09.2009

Bretlingen - Lauenburg - Boizenburg - Bennin - Camin - Wittenburg - Sandkrug - Stralendorf

Entfernung: 81 km – Zeit: 5 Stunden 20 Minuten

9 Uhr sind wir los und das kurze Stück bis Lauenburg gefahren. Von der Elbbrücke bietet sich ein toller Blick auf Lauenburg und die Elbe mit ihren Ufern.
Die Elbe war der Grenzfluss zwischen West- und Ostdeutschland. Davon merkt man heute nichts mehr. Hinter Lauenburg haben wir irgendwo im Wald vor Boizenburg diese Stelle überfahren. Wir haben nur einen alten Meilenstein gefunden, nachdem wir uns die langgezogenen Berge hochgefahren sind.
Hier ist alles schön ausgebaut mit Radwegen und kurz vor Boizenburg treffen wir auf zwei Radler aus Hannover. Die beiden radeln entlang der ehemaligen Grenze und haben uns ihre Eindrücke berichtet. wir haben uns lange unterhalten und erfahren, dass wir voll im Trent sind. Was wir gerade tun nennt man Entschleunigung. Wir bremsen also unser Zeitempfinden aus und genießen mehr. Irgendwie haben sie recht, wir haben
in den letzten Monaten so viele Erlebnisse gesammelt, dass die vergangene Zeit viel intensiver im Gedächtnis haften bleibt. Wußten wir nicht, dass wir Trendies sind. In Boizenburg sind wir in einem Bäckerladen hängen geblieben. Wir haben bei Anita Krüger nicht nur unsere Mittagspause gemacht, sondern auch gleich eine Geschichtsstunde erlebt. Die alte Boizenburgerin ist dies mit Leib und Seele und hat viel zu erzählen. Nun wurde es aber Zeit noch Kilometer zu machen. Schließlich wollten wir in 4 max. 5 Tagen Lüskow erreichen. Unterwegs sind wir in Camin vorbei gekommen. Hier ist eine Kirche auf einem Friedhof, wo ein interessanter Baum steht. Die Kiefer ist über und über mit wildem Efeu bewachsen. Ein Blick von unten in die Krone zeigt, dass der Wirt komplett eingeschlossen ist.

   
Auch in Bennin mußten wir stoppen. Dort haben wir in einem See viele abgestorbene Bäume entdeckt und mitten drin eine Schwanenfamilie, die gerade ihre Jungen spazieren führte. Ganz vorbildlich - ein Elternteil vorn und eines hinten und die Jungen wie aufgefädelt dazwischen. Ein tolles Bild!
Unterwegs ernten wir wieder Pflaumen und Äpfel, so dass wir dauernd am Kauen sind. Wir machen Rast unter einer vielleicht 500 jährigen Eiche mit einem Durchmesser von etwa 1,8 m. Leider hatte die Eiche auch andere Gäste. Hunderte von Stare hatten die Eiche als Standort ausgewählt, von dem sie ihre Beutezüge auf die umliegenden Obstbäume starteten. Wovon sie sich gerade ernähren haben wir deutlich auf unseren Sachen sehen können. Holunder muß auch in der Nähe wachsen! Wir sind lieber weiter gefahren und haben in Stralendorf nach Wasser gefragt. Fred hat bei der freiwilligen Feuerwehr nachgefragt, wo man hier zelten kann. Wir haben schließlich hinter dem Haus der Feuerwehr geschlafen. So hatten wir abends sogar Toiletten, also Luxus. Wir essen heute kein Abendbrot, weil wir von dem vielen Obst einfach satt sind.

08.09.2009

Stralendorf - Schwerin - Rampe - Bruel - Sternberg - Güstrow - Klueß

Entfernung: 94 km – Zeit: 5 Stunden 58 Minuten

Nun sind wir wirklich wieder in Deutschland. Das merken wir daran, dass um 6 Uhr 30 schon viele Leute auf den Füßen sind. Die Kinder warten auf den Schulbus und von den Höfen kommen die Autos. So viel Geschäftigkeit haben wir zu dieser frühen Stunde in Skandinavien nicht erlebt. Wir machen uns wie gewohnt Frühstück und dann wird es Zeit, dass ich mich auf die Suche nach einem Klo mache. So mitten im Dorf ist das gar nicht einfach. Der Dorfladen ist die Rettung! Ich kann auf die Toilette und bringe noch 2 Brötchen mit, da unsere Haferflocken heute nicht ganz gereicht haben. 8 Uhr 50 sind wir wieder auf der Piste und fahren die 12 km bis Schwerin. Dann verfahren wir uns irgendwie und machen bestimmt 8 km Umweg um Schwerin. In Rampe halten wir an einem Minimarkt und suchen uns was zum Mittag aus. Die nette Verkäuferin macht uns sogar die Würstchen warm und serviert sie uns mit Senf. Auch heißes Wasser für einen Kaffee bekommen wir. Vor dem Laden stehen auch Bänke und Tische, so dass wir unser Mittag schön in der Sonne genießen können. So gestärkt geht es weiter. Inzwischen haben wir die langen gegen die kurzen Hosen getauscht. Unterwegs haben wir immer wieder versucht einen LKW zu finden, der uns ein Stück mit in Richtung Anklam nimmt. Leider kein Erfolg also weiter strampeln. Gegen 14 Uhr ist es soweit. Wir überfahren die 6000 km Marke.
Wow! Wer hätte das gedacht??? Ich nicht, auch Fred hätte sich dies vor 5 Monaten niemals vorstellen können.
Wir halten spontan einen Volvo an und bitten den überraschten Stephan uns zu fotografieren.
6000 km, wenn das kein Grund zum feiern ist. Die nächste Kneipe war leider zu, so dass wir das mit dem Bier verschieben mußten.

An dieser Stelle möchten wir uns bei euch bedanken, die ihr in Gedanken bei uns gewesen seid. Danke allen die uns geschrieben haben und danke auch den stillen Lesern (vielleicht gibt sich ja der eine oder andere noch zu erkennen). Wir freuen uns über jeden der Spaß hatte uns zu begleiten.

Aber weiter gehts, denn unser Tagesziel (mind. 80 km) haben wir noch nicht erreicht. Hinter Sternberg hat Fred wieder einen Platten. Der Flicken am Vorderrad hat sich gelöst. Fred schimpft wie ein Rohrspatz. Wir verlieren 40 Minuten für die Reparatur. Weiter geht es über Berge mit tollen Abfahrten, nur leider müssen wir sie vorher immer erst hoch fahren. Das kostet Kraft, die ich nicht wirklich zur Verfügung habe. Zwar geht es mir heute schon besser, aber so ganz ok bin ich noch nicht. Nach ca. 70 km halten wir an einer Gaststätte. Der Koch ist sehr unfreundlich und Fred würde am liebsten gleich weiter fahren. Aber ich brauche eine Pause und etwas erfrischendes zu trinken. Nach einer Apfelschorle sitzen wir auch schon wieder im Sattel und erreichen Güstrow 18 Uhr 30. Wir kaufen noch ein wenig ein und stoßen dann mit einer Flasche Bier gemixt mit einer Apfelschorle auf unsere 6000 km an. So k.o. wie wir sind, macht uns das bißchen Bier auch gleich betrunken. Es fällt schwer wieder aufs Fahrrad zu steigen, aber hier in der Stadt können wir ja das Zelt nicht aufstellen. Wir fahren noch einmal 10 km bevor wir einen Schlafplatz finden. In einem kleinen Waldstück bei Klueß stellen wir unser Zelt auf und kochen noch schnell vor dem Dunkel werden unser Abendessen. Es gibt Nudelsuppe mit Zucchini, Pilzen und Tomaten.

09.09.2009

Klueß - Teterow - Malchin - Altentreptow - Schwanbeck - Dishley - Ramelow - Spantekow - Butzow - Lüskow

Entfernung: 79 km – Zeit: 5 Stunden 17 Minuten

Heute kommen wir schon 8 Uhr 15 los, da Fred kein Holzfeuer gemacht hat, sondern auf unserem Kocher das Wasser kochte. Die Zeitersparnis kommt uns gerade recht, wollen die letzten Kilometer nach Lüskow heute schaffen. Fahren bis Teterow. Es ist noch Zeit bis zum Mittag, also gleich weiter nach Malchin. Fred fällt es heute nicht so leicht, er ist irgendwie nicht so gut drauf. In Malchin machen wir an einer Aral Tankstelle Mittag und Fred kümmert sich um seinen Hinterreifen, der wieder die Luft verliert. Die Reparatur ist langwierig, da er das Hinterrad ausbauen muss und den Fehler nicht finden kann. Es ist das Ventil. Die Gummidichtung ist müde und das Ventil hält mal und mal nicht. Als wir noch mal die Strecke durchrechnen, kommen in der Summe noch über 70 km auf uns zu. Das nimmt mir den Mut, da wir ja schon fast 40 km hinter uns hatten zu diesem Zeitpunkt. Ich frage an der Tankstelle ob es einen Zug in Richtung Anklam gibt. Auf dem Bahnhof finden wir gemeinsam mit dem Fahrkartenverkäufer eine Lösung. Die Entwicklung auf den Bahnhöfen ist für uns unglaublich. Die Fahrkarten werden von einem Selbstständigen Unternehmer mit einer entsprechenden Lizens verkauft. Auf dem Bahnhof gibt es kein Bahnpersonal mehr, nur im Stellwerk arbeitet noch Bahnpersonal. Das Stellwerk wird aber auch demnächst automatisiert, dann kommt auch hier die Ansage nur noch vom Band. Wir fahren bis Altentreptow und kürzen so 30 km ab. 16 Uhr kommen wir in Altentreptow an und machen uns gleich auf den Weg die letzten 30 km zu bewältigen. Jetzt fällt es mir schwer, mich wieder in den Sattel zu schwingen. Fred hat sich erholt und treibt mich entsprechend an. Allerdings fahren wir an einigen prall gefüllten Obstbäumen vorbei, was immer wieder zum Erntestopp führt. Als wir an einem Grundstück halten um nach dem Weg zu fragen werden wir reichlich mit Pfirsichen beschenkt. Wir können gar nicht so viel essen, also nehmen wir sie mit. Einen ganzen Einkaufsbeutel voll Obst bringen wir mit. Erntezeit ist doch eine schöne Zeit. 19 Uhr haben wir es endlich geschafft. Wir sind angekommen und werden die nächsten Tage hier in Lüskow bleiben.

10.-13.09.2009

Lüskow - Bernau

Wir ruhen uns ein wenig aus und genießen es in Familie zu sein. Endlich kann ich meinen ersten Enkel im Arm halten. Ein schönes Gefühl ist das, so ein kleines Wesen zu umsorgen. Ich übernehme gern meine Rolle als Oma und entlaste so ein wenig meine Tochter.
Fred erntet noch Äpfel und Pflaumen und macht Kompott, Saft und Pflaumenmus. So sind wir reichlich beschäftigt und genießen das. Die Zeit vergeht wie immer zu schnell. Am 13. fahren wir 9 Uhr 06 mit dem Zug von Anklam nach Bernau. Wir haben uns über www.mitfahrgelegenheit.de jemanden gesucht, der noch 2 Plätze auf seinem Wochenendticket frei hatte. So haben wir nur 7 Euro pro Person für unsere Fahrkarte + Fahrradticket bezahlt. Eine gute Gelegenheit Geld zu sparen. Solche Möglichkeiten lernen wir immer von jungen Leuten. Das gefällt uns und wir bleiben offen und lernfähig. Die nächsten Tage verbringen wir in Bernau.
 

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Comments

  • 19 Sep 2009 Jenny wrote:
    Also sowas, ihr kommt extra nach Deutschland zurueck um euch zu verfahren Aber jetzt bist du ja gut angekommen in den armen deines Enkels, Maren. Ein schoenes Bild! Ich druecke dich und Fred ganz fest und schreibe auch bald mehr ueber email...ich muss auch erst noch irgendwo ankommen und mein Unterwegs ist nicht so schreibenswert wie eures. Alles Liebe von mir.
    Reply to this
    1. 20 Sep 2009 Maren wrote:
      Hi Jenny, danke für dein Lebenszeichen. Wir denken jeder Weg ist interessant und spannend. Dann wünschen wir dir eine gute Landung! Alles Liebe Fred & Maren

      Reply to this
  • 6 Oct 2009 Josephine wrote:
    Hallo Maren
    Wow, da hast du aber ganz schön lange durchhalten müssen, bis du endlich deinen Enkel knuddeln durftest! Bist echt ne zähe Oma
    Hoffe euch geht es gut und eure Zukunftsträume werden sich früher oder später erfüllen!
    Danke nochmals, dass ich gemeinsam mit euch die eine Nacht "obdachlos" sein durfte, habe es sehr genossen und viel inspirierendes von Euch auf meinen Weg mitgenommen! Machts gut und geniesst euer Leben weiterhin in vollen Zügen! Und wer weiss, vielleicht trifft man sich wieder einmal irgendwo in der Pampa...

    Liebste Grüsse aus der Schweiz
    Josephine

    Ps:somit hat sich wieder eine stille Leserin geoutet!
    Reply to this
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